Nach der instrumentalistischen Wende: Moralische Verantwortung bei John Dewey

Annette Pitschmann

Abstract


Die Einsicht, dass die praktischen Entscheidungen des Einzelnen durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen mitbestimmt werden, wirft Fragen hinsichtlich der Struktur moralischer Urheberschaft auf. Wenn der kontingente soziale Rahmen individuelle Handlungen konstituiert, scheint für persönliche Verantwortung kein Raum zu sein. John Deweys instrumentalistische Rekonstruktion des menschlichen Verhaltens eröffnet eine Möglichkeit, diesem Dilemma zu entgehen. Sie ersetzt die bipolare Gegenüberstellung von Individuum und Gemeinschaft, indem sie den umfassenden Begriff des human being als des Trägers individueller und sozialer Eigenschaften ins Zentrum rückt. Dabei zeigt sich, dass die Kontingenz des individuellen Selbst der Zuschreibung von Verantwortung nicht entgegensteht, sondern dass sie diese umgekehrt erst ermöglicht. 


Volltext:

PDF

Literaturhinweise


Primärtexte

Die Quellenangaben beziehen sich auf den Mittleren (MW) und Späten (LW) Teil der Gesammelten Werke Deweys. Die Seitenzahlen vor dem Schrägstrich verweisen jeweils auf das englische Original; die Seitenzahlen hinter dem Schrägstrich auf die deutsche Übersetzung.

MW: The Middle Works. 1899–1924, hg. v. Jo Ann Boydston, Carbon-dale / Edwardsville: Southern Illinois University Press 1983.

HNC: Human Nature and Conduct. An Introduction to Social Psychology. MW 14. – Dt.: Die menschliche Natur. Ihr Wesen und ihr Verhalten. Mit einem Nachwort neu herausgegeben von Rebekka Horlacher und Jürgen Oelkers, Zürich: Pestalozzianum 2004.

NR: The Need for a Recovery of Philosophy. MW 10, 3–48.

PD: Philosophy and Democracy. MW 11, 41–53.

LW: The Later Works. 1925–1953, hg. v. Jo Ann Boydston, Carbon-dale / Edwardsville: Southern Illinois University Press.

AE: From Absolutism to Experimentalism. LW 5, 147–160. – Dt.: Vom Absolutismus zum Experimentalismus, in: Dewey, John / Suhr, Martin (Hg.): Erfahrung, Erkenntnis und Wert, Frankfurt/M.: Suhr-kamp 2004, 13–29.

CHH: The Crisis in Human History. The Danger of the Retreat to Individ-ualism. LW 15, 210–223.

DAP: The Development of American Pragmatism. LW 2, 3–21.

EN: Experience and Nature. LW 1. – Dt.: Erfahrung und Natur. Aus dem Amerikanischen von Martin Suhr, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1995.

ETH: Ethics (mit James H. Tufts). LW 7. – Die auf Deutsch

wiedergegebenen Textstellen wurden von der Verfasserin über-setzt.

IN: Individualism Old and New. LW 5, 41–123.

LG: Logic. The Theory of Inquiry. LW 12. – Dt.: Logik. Die Theorie der Forschung. Aus dem Amerikanischen von Martin Suhr, Frank-furt/M.: Suhrkamp 2008.

PF: Philosophies of Freedom. LW 3, 99–101.

PP: The Public and its Problems. An Essay in Political Inquiry. LW 2, 235–372. – Dt.: Die Öffentlichkeit und ihre Probleme. Aus dem Amerikanischen von Wolf-Dietrich Junghanns, Berlin: Philo 2001.

QC: The Quest for Certainty. LW 4. – Dt.: Die Suche nach Gewissheit, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2001.

Sekundärliteratur

Campbell, James (1998): Dewey's Conception of Community, in: Hick-mann, Larry A. (Hg.): Reading Dewey. Interpretations for a Postmodern Generation, Bloomington: Indiana University Press, 23–42.

Joas, Hans (1996): Die Kreativität des Handelns, Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Rorty, Richard (2008): Kant kontra Dewey: Die aktuelle Lage der Moralphi-losophie, in: Rorty, Richard: Philosophie als Kulturpolitik, 1. Aufl., hg. v. Richard Rorty und Joachim Schulte, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 318–350.

Roth, Robert S. J. (1962): John Dewey and Self-Realization, Englewood Cliffs: Prentice Hall.

Sartori, Giovanni (2006): Demokratietheorie, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Westbrook, Robert (1991): John Dewey and American Democracy, Itha-ca / London: Cornell University Press.




DOI: https://doi.org/10.18156/eug-1-2015-art-2

Refbacks

  • Im Moment gibt es keine Refbacks


Tübingen Open Journals – Datenschutz