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1/2020: Kritik der Identitätspolitik

Weltweit hat man es mit einer Renaissance von Identitätspolitiken gesellschaftlicher Mehrheiten zu tun, diesmal unter rechtspopulistischem Vorzeichen. Die Identitätspolitik von rechts zeigt Wirkung – auch in den deutschsprachigen Ländern. Sie nimmt politische Debatten ein und bestimmt Themen sowie Stimmungen. Darüber gerinnt sie in der kulturellen, aber auch in der strukturellen Ordnung; die rechtspopulistische Identitätspolitik erschafft selbst Stück für Stück die sortierte und exkludierende Gesellschaft, von der sie spricht und die sie kritisiert. Für das Christentum, auch für die christlichen Kirchen ist diese Form der Identitätspolitik eine Versuchung, wenn es denn gelingt, sich in die von rechts behauptete kollektive Identität »einzuschreiben« und so für die identitär formierte Mehrheit unverzichtbar zu machen. In den christlichen Kirchen in Mittel- und Osteuropa ist man dieser Versuchung in hohem Maße erlegen; in den Kirchen Westeuropas widersteht man diesen politischen Entwicklungen nicht immer und es widerstehen nicht alle.

Wenn Mehrheiten ihre kollektive Identität gegen Minderheiten behaupten und ihre Rechte und Privilegien im Namen ihrer Identität verteidigen, dann wird auf dem Wege kollektiver Identitätskonstruktionen Exklusionen und Diskriminierungen betrieben, Diese Form der Politik ist destruktiv für demokratische Auseinandersetzungen. Zugleich drücken sich in dieser Art Politik gesellschaftliche Problemlagen und Verwerfungen aus, nicht zuletzt das Scheitern der neoliberalen, auf »Eigenverantwortung« und Wettbewerb setzende Gesellschaftsreform. Vor diesem Hintergrund nimmt sich das Berliner Werkstattgespräch die Kritik der rechten Identitätspolitik und der darin projektierten Gesellschaftsordnung vor. Dabei wird auch nach der theologischen Sozialethik selbst gefragt, ob und wie sie sich der Kollektivierung von Identitäten und der sortierenden Ordnung von Gesellschaften widersetzt.

Redaktion: Michelle Becka (Würzburg), Johannes Frühbauer (Heidelberg), Matthias Möhring-Hesse (Tübingen), Christian Spieß (Linz), Katja Winkler (Linz)

2/2020: Betongold als Vermögen. Zur Kommerzialisierung von Grund und Boden

Redaktion:  Julian Degan und Bernhard Emunds

Schreiben für ethik und gesellschaft

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