Ethik und Gesellschaft


Nr. 2 (2015): Burn, baby, burn... Subjektivierte Arbeit und depressive Erschöpfung


Quelle: blog.bransch.net

Bildquelle: blog.bransch.net

'Burnout' und 'Erschöpfungsdepression' lauten Diagnosen, die mittlerweile weit verbreitet sind, und auch erste sozialwissenschaftliche Arbeiten liegen dazu vor. Umstritten ist, ob die Zunahme dieser Befunde Ergebnis realer Verschiebungen in der Arbeitswelt ist oder lediglich ein Bezeichungs- oder labeling-Phänomen darstellt. Die Diskussion ist eröffnet, die sozialethische Thematisierung aber steht noch weitgehend aus. Grund genug, sich in einem Themenheft dieser Fragen anzunehmen. Magnus Hirschfeld zeichnet in seinem Beitrag die Entwicklung der Burnout-Diagnose nach, Greta Wagner beschreibt die soziologische Debatte und bietet eine eigene Erklärungsvariante an, die sie mit der These verbindet, dass es Versatzstücke buddhistischer Lehre sind, die in der modernen Arbeitswelt eine Deutungs- und Legitimationsfunktion übernehmen. Auf der Basis qualitativer Interviews mit Erschöpfungsbetroffenen entwickelt Stefanie Graefe den Befund, dass es sich bei dem Phänomen um eine Somatisierung des gesellschaftlichen Konflikts zwischen Autonomieversprechen und zunehmender Vermarktlichung handelt. Ausgehend von Daten des Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin vermag Martin Schütte einen signifikanten Zusammenhang von veränderter Arbeitsrealität und Depression nicht zu erkennen, gesteht aber zu, dass Arbeitsanforderungen und subjektiv erlebter Tätigkeitsspielraum einen Einfluss haben können. Ralf Kronig unterfüttert die theoretischen Untersuchungen durch einen Praxisbericht aus der Sicht des Betriebsrats eines großen Softwareunternehmens, Martina Frenzel und Stephan Siemens tun dies durch die Dokumentation eines praktischen Präventionsinstruments und Andrea Fergen durch die Darstellung gewerkschaftlicher Strategien im Kontext. In sozialethischer Perspektive schlägt Matthias Möhring-Hesse vor, die Kritik problematischer Arbeitsbedingungen am Massstab des Arbeitsvermögens zu orientieren, währen Torsten Meireis die moralischen Prinzipien der als Lebensform begriffenen Arbeitsgesellschaft kritisch zur Geltung zu bringen sucht.

Redaktion dieser Ausgabe: Torsten Meireis

Ein Workshop der Autorinnen und Autoren dieses Themenheftes wurde durch die Otto Brenner Stiftung gefördert.