ethikundgesellschaft
ökumenische zeitschrift
für sozialethik
1/2013

Aufsatz aus dem Heft 2/2008

Richtungsstreit in der ökologischen Sackgasse
Vollbeschäftigung und Grundeinkommen
als richtige Antworten auf falsche Fragen

Matthias Zeeb, Ökonom im Bereich des Entwicklungsdienstes, lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Frage, die in der Wirtschafts- und Sozialpolitik nur allzuoft übergangen wird: den ökologischen Fussabdruck sozialpolitischer Arrangements. Er erörtert, unter welchen Bedingungen Vollbeschäftigungs- und Grundeinkommenskonzepte überhaupt als global nachhaltig gelten dürfen. Beiden Ansätzen inhärent ist das Vertrauen auf fortdauerndes Wirtschafts- wachstum und technologischen Fortschritt. Dies blendet aus, wie stark der Wirtschaftsprozess von der Verfügbarkeit billiger Energie abhängig ist, und wie sehr die Energieversorgung durch notwendige Klimapolitik und das Erdöl- fördermaximum tatsächlich auf eine Knappheitssituation zusteuert. In einer von hoher Komplexität und Instabilität bestimmten Situation in Wirtschaft und Gesellschaft, sollte zukunftsweisende Politik die Zielorientierung deshalb von systemischer Produktivität auf gesellschaftliche Resilienz und Gerechtigkeit verschieben. Vollbeschäftigung und Grundeinkommen enthalten Elemente, die dazu beitragen können.

What could an ecological perspective tell us about the virtues of full-employment or the guaranteed basic income concepts? Both approaches share an inherent trust in continued economic growth and technological progress. This tends to ignore how strongly the economic process is dependent on the availability of abundant energy and to what degree the provision of energy is actually moving towards a situation of scarcity due to the necessary climate policies and peak oil. In a situation determined by increasing complexity and instability, future-oriented policies for the economy and society should therefore move emphasis from systemic productivity towards societal resilience and justice. The full-employment and basic income concepts both include elements that can contribute to such a change.